Stipendium der Stadt Graz

Florian Neuner

Österreich / Deutschland

September 2021 bis August 2022

Autor, Publizist, der Zeitschrift Idiome. Hefte für Neue Prosa

*1972

Städte, bzw. die Stadt, nimmt sich Neuner nicht bloß als Schauplatz, sondern macht diese zu Protagonisten einer Literatur, welche die Grenzen zwischen Erzählung, Essay und Formexperiment transzendiert und in der poetologischen Auseinandersetzung mit dem Material jeweils spezifische, neue und hybride Formen entwickelt. In Bezugnahme auf avancierte Theorien der Stadtforschung (Situationisten u.a.) und mit großer Empathie für die Betroffenen urbaner Entwicklungen und Fehlplanungen begibt sich der Autor auf psychogeographische Erkundungen, deren Ergebnisse stets ins Offene, von konfektioneller Belletristik nicht betretenes Gelände führen. Bücher wie „Ruhrtext“ (2010) oder „Rost“ (2020), Erschreibungen des größten industriellen Ballungsraums Europas, bzw. des sog. „Rust Belt“ im Mittleren Westen der USA, bezeugen auf beeindruckende Weise die Sonderstellung des Autors Florian Neuner als literarischen Stadtschreiber von paradigmatischem Format. (Jurybegründung)

 

Wenn von der Lesbarkeit städtischer Räume die Rede ist, dann ist das eine Metapher, aber nicht nur. Es geht um die Entschlüsselung räumlicher Zusammenhänge, um Wegmarken, verbindende Achsen und dgl. Es gibt aber auch im Wortsinne, ganz buchstäblich, unerwartet viel zu lesen im Stadtraum. Wir treffen auf eine erstaunlich große Textmenge, wenn wir unsere Antennen versuchsweise einmal darauf ausrichten, was es alles zu lesen gibt in den Straßen einer Stadt: Das sind nicht nur die Straßennamen, Hinweisschilder, Werbetafeln. Dazu kommen Graffiti, politische Botschaften, Zettel und Aufkleber, große Plakatkampagnen wie privates anarchisches Dagegenhalten. 2008/09 habe ich damit begonnen, meine Methode der „literarischen Stadtforschung“ zu entwickeln, eine Spielart von artistic research zwischen Literatur und Urbanistik. Untersuchungsgebiet war zunächst das Ruhrgebiet. Als Grazer Stadtschreiber unternehme ich Expeditionen durch den Stadtraum im Sinne der skizzierten „literarischen Stadtforschung“ und sammle Material, aus dem ich später ein Buch entwickeln möchte. (Florian Neuner)

Bibliographische Angaben

Bücher:

Und käme schwarzer Sturm gerauscht. edition linz in der Bibliothek der Provinz, Weitra, Linz und München 2001
Jena Paradies. Ritter Verlag, Klagenfurt 2004
China Daily. Kleine idiomatische Reihe, Wien 2006
Zitat Ende. Prosa. Ritter Verlag, Klagenfurt 2007
Ruhrtext. Eine Revierlektüre. Klever Verlag, Wien 2010
Satzteillager. Klever Verlag, Wien 2011
Moor (oder Moos). Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2013
Inseltexte. Klever Verlag, Wien 2014
Drei Tote. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2017
Ramsch. Distillery Press, Berlin 2019
Rost. Eine psychogeographische Expedition. Ritter Verlag, Klagenfurt 2021

 

Herausgeberschaften (Auswahl):

Europa erlesen: Ruhrgebiet (gemeinsam mit Thomas Ernst). Wieser Verlag, Klagenfurt 2009
Das Schwarze sind die Buchstaben. Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur (gemeinsam mit Thomas Ernst). asso Verlag, Oberhausen 2010
Heinz-Klaus Metzger: Die freigelassene Musik. Schriften zu John Cage (gemeinsam mit Rainer Riehn), Klever Verlag, Wien 2012
Chris Bezzel: isolde und tristan (gemeinsam mit Christian Steinbacher), roughbooks, Solothurn und Berlin 2012
Chris Bezzel: tagebuchtage. Ritter Verlag, Klagenfurt 2014
Der unfassbare Klang. Notationskonzepte heute (gemeinsam mit Christoph Herndler). Klever Verlag, Wien 2014
Chris Bezzel: namor. roman. Ritter Verlag, Klagenfurt 2016
Autorenmusik. Erkundungen im Zwischenreich von Sprache und Musik (gemeinsam mit Harald Muenz). Reinecke & Voß, Leipzig 2019
zeichen setzen. für waltraud seidlhofer. Reinecke & Voß, Leipzig 2019
Dieter Roth. Zum literarischen Werk des Künstlerdichters (gemeinsam mit Thomas Eder). Edition text + kritik, München 2021

 

 

Ritter Verlag Weitere Informationen finden Sie hier. Literaturhaus Wien: flugschrift / 01.03.2022 / 19:00 Uhr www.flugschrift.at / 01.03.2022 / 19:00 Uhr Idiome Prosawerkstatt 2021 / 13.03.2022 Autorenmusik mit sprechbohrer / 14.03.2022
© Jörg Gruneberg

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